Der Sommer ist zurück … wenn auch nur für einen Tag und die Vorfreude auf ein hoffentlich ertragreiches Fußballfest groß. Allein der Glaube fehlt mir, denn in Düsseldorf, dem heutigen Gegner des pfälzer Traditionsverein, haben wir schon all zu oft Federn gelassen.

Philipp steht gegen 11:00 Uhr auf der Matte und nach gut 40km freier Autobahnfahrt und etwas fachsimpeln ist die Landeshauptstadt von NRW schnell erreicht. Ein Altbier in der Sonne vor’m Multifunktionsgerät aka Stadion, dann geht’s los.

Der DFB in der Kritik

Anpfiff: Samstag, 13:00 Uhr – wohl auch nur einer von zahlreichen Gründen, weshalb der DFB, trotz kürzlich signalisierter Gesprächsbereitschaft der hohen Herren in Frankfurt, auch heute wieder die Abneigung vieler anwesender Zuschauer zu spüren bekommt. Untermalt von diversen kleineren und größeren Aktionen, wie gewendeten Zaunfahnen, Spruchbändern und wechselnden Schmähgesänge, greift dieser Prostest weiterhin flächendeckend in deutschen Stadien um sich.
Zugegeben, mit „Fick dich DFB!“ oder dem viel zitierten „Krieg“ mag die Wortwahl etwas zu obszön und drastisch ausfallen, aber die fortschreitende Kommerzialisierung trifft, beispielsweise mit der Spieltagszerstückelung, die Fans vor Ort unmittelbar und sorgt somit für ein wachsendes Unbehagen.

Dass die Reihen im Gästebereich zum Anpfiff jedoch noch nicht geschlossen sind, lässt sich sicherlich nicht auf den Verband schieben. Das Fehlverhalten (Vandalismus im Zug // Update: „Durch die eingesetzten Kräfte konnten keine Straftaten und auch keine Sachbeschädigungen festgestellt werden.„) einiger weniger sorgt dafür, dass hunderte FCK-Anhänger die ersten 20 Minuten des Spiels verpassen.

Besserung (bedingt) in Sicht

Lauten, ungewohnt in rot und schwarz auflaufend, legt nach einer Schweigeminute für die Opfer des Terrors von Barcelona los wie die Feuerwehr und kommt binnen Sekunden aussichtsreich vors gegnerische Tor und auch in den folgenden Minuten der Anfangsphase wirkt das Spiel der Teufel sehr ansehnlich. Die Fortuna hat Probleme, tut sich im Spielaufbau schwer. Der FCK müht sich, arbeitet früh gegen den Ball, kann die Schwäche seines Gegners jedoch (erneut) nicht gewinnbringend nutzen.

Die Stimmung: Ordentlich, spielbezogen, aber gewiss nicht überragend. Dies ändert sich nach dem Eintreffen der Ultras leider auch nicht wirklich, was gewiss eher am Spiel, denn an der Bereitschaft der mitgereisten Schlachtenbummler liegt. Ein paar mal wird’s laut, mehr aber auch nicht.

Zur Mitte der ersten Hälfte stabilisieren sich die Gastgeber. Die Partie ist fortan eher taktisch geprägt. Ein paar Distanzschüsse auf beiden Seiten, kaum Strafraumszenen – es scheint auf ein Unentschieden zur Pause rauszulaufen.

In der 43. Minuten wage ich folgendes Zwischenfazit: „Ist ganz ok bis jetzt.“ Philipp nickt.

In der 43. Minuten köpft Bebou das 1:0 für die Fortuna.

In der 43. Minuten, kaum 10 Sekunden nach meiner messerscharfen Analyse bleibt bloß noch ein Gedanke: ‚Hätte ich mal besser nichts gesagt!‘

Ein vollkommen unnötiger Gegentreffer, der die Spielanteile nicht leistungsgerecht widerspiegelt. Verkatert geht es in die Pause.

Zum Start in die zweite Hälfte die offizielle Zuschauerzahl. Mit 25.227 Besuchern ist der hässliche Kasten gut zur Hälfte gefüllt. Eine stimmungsvolle Heimspielatmosphäre schaffen die Hausherren trotz der für sie sprechenden Ereignisse und unzähliger Sponsoren-Fähnchen nicht. F95 bleibt blass. Uns hingegen bleibt die wohltuend Sonne, die es dem Auswärtsblock zur zweiten Halbzeit richtig einheizt. Immerhin.

Die Hausherren sind deutlich besser aus der Kabine gekommen. Es ist eine Mischung zwischen Unvermögen auf der einen und Schlussmann Müller auf der anderen Seite, der die Fortuna noch etwas bangen lässt. Von Lautern ist im zweiten Durchgang jedoch lange kaum etwas zu sehen, bis der eingewechselte Kastaneer, der phasenweise noch wie ein Fremdkörper im Spiel der Pfälzer agiert (Kein Vorwurf!), Mitte der zweiten Hälfte einen Kopfball gefährlich auf das Tor des Gegners zieht.
Trainer Meier geht aufs Ganze, bringt einen dritten Stürmer. Ein folgenschwerer Wechsel, der so trotzdem gefällt! Die Defensive ist noch nicht wieder aufeinander abgestimmt, die Zuteilung, Abstände, … als sich Neuhaus sehenswert spielerisch durchtankt und den Hammer auspackt. Ein Strahl in den linken Winkel! Keine Chance für Müller, der nicht immer sicher wirkt und trotzdem einen guten Job macht.

Keine Chance für Lautern

Auf den Rängen sowie auf dem Platz wird die Arbeit nun eingestellt. Keiner glaubt mehr an mögliche und nötige Punkte. Ein wirkliches Aufbäumen der roten Teufel bleibt aus.

2:0 heißt es am Ende. Die Fortuna aus Düsseldorf zeckt sich verdient im oberen Tabellendrittel ein. Lautern findet sich, noch sieglos, am anderen Ende wieder.

Was sonst noch auffiel? Die Sauforgie einer Altherrengruppe, die sich im Verlauf des Spiels wie von selbst stark dezimierte. Ausfälle waren hier leider auch beim singen wahrzunehmen. Unvergessen auch der Selfie-Wahnsinn meines Vordermanns – wahlweise mit und ohne T-Shirt / Sonnenbrille / Kollege / Schal / … !? Ohne Powerbank wäre es sicherlich ein aussichtsloses Vorhaben gewesen. Ach und ich will eigentlich auch gar nicht wissen, wie viele seiner Bilder ich/wir aufwerten durfte/n. Einfach nur nervig.
Ganz nett hingegen ist es, sich von den Toten Hosen anschreien zu lassen.

Nächsten Montag wartet mit Braunschweig das nächste, schwere Match. Ein guter Saisonstart war für viele, mich eingeschlossen, mit herauskommen des Spielplans eh fraglich, ja sogar unwahrscheinlich. Dafür, dass der FCK jetzt jedoch keinen desaströsen Fehlstart hinlegt, müssen im nächsten Heimspiet Punkte her. Hierbei die Balance zwischen „Egal wie!“ und „Es braucht Geduld und Unterstützung“ zu finden, wird die Hauptaufgabe für einen Jeden sein, der es mit dem FCK hält. Einsatz und Kampf haben über weite Strecken des heutigen Spiels gepasst und somit positiv gestimmt.

Das Glück ist mit dem Tüchtigen. Also Kopf hoch Betze!

El Presidente

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