Der Tag der Wahrheit, er ist gekommen und obgleich ich, in vielerlei Hinsicht leicht verkatert, wohl lieber im Bett geblieben wäre …

Nein, wenn’s zählt, sind und waren sie immer da: Die Fans vom FCK! Zwar lange nicht so zahlreich wie erhofft, gemessen aber an der Saisonleistung sind 38.423 Zuschauer – nach Hannover und Stuttgart der dritthöchster Wert 2016/2017 – jedoch eine gute Marke und ein deutliches Statement zugleich!

Das der Mannschaft attestierte Mentalitätsproblem, Lustlosauftritte, Rumpelfußball par excellence, wenige Tore, mangelnde Identifikation mit dem Verein, nicht gelebte Betzetugenden und die zuletzt aufkeimende Unruhe im Umfeld. Nur ein paar Beweggründe, die viele treue Anhänger speziell in der aktuellen Saison schlichtweg zermürbt haben und somit nicht nur heute fernbleiben ließen.
Schade, dass gerade beim wichtigen Saisonfinale viele, wohl aus Selbstschutz, dem Berg nicht erklommen haben. Verständlich ist es allemal.

Ich hingegen, ich kann’s nicht lassen: Schals aus dem Autofenster und ab dafür. „Mich zieht’s zum Betze hin!“ In guter Hoffnung, dass der Scherbenhaufen des gestrigen Polterabend der einzige für dieses Wochenende sein würde.

Smalltalk mit zwei Glubberern aus Berlin (O-Ton: „Weinschorle im Stadion – echt schön hier!“), mit Sarah noch schnell eine Currywurst draußen vorm Stadion geteilt, denn wer weiß schon, ob es nach der Insolvenz des Kartenbezahlsystems reibungslos an den Ständen abläuft, dann geht’s rein in Block 7.3. Rein in eine volle Westkurve. Rein ins Fußballglück?

Die andren Latschos warten schon / hatten dem Mannschaftsbus Spalier gestanden.

Zum Einlauf der Mannschaften zeigt die FY eine große Jubiläumschoreographie, die, an und für sich gut umgesetzt, in meinen Augen jedoch nicht so recht zum gegebenen Anlass passt. Andererseits hat sich die Jugend natürlich auch eine große Kulisse verdient.
Wie auch immer: Glückwunsch zum zehnjährigen Bestehen.

Läuft im Spiel mal nichts zusammen,
und es will und will nichts geh’n – „so wie immer“,
so woll’n wir doch geschlossen,
hinter uns’rer Mannschaft steh’n,
wenn am Schluß wir dann doch Sieger sind,
dann wird es allen klar,
solang’s in Deutschland Fußball gibt,
gibt es auch den FCK!

Tolles Wetter, der Rasen frisch gesprengt, gut gefüllte Ränge, wohl rund 2.500 Gäste aus Franken – es ist angerichtet!
Heute gibt’s drei Punkte. Es muss einfach klappen.

Der Schiri pfeift, das Spiel beginnt und die West (+ Süd) erwischt einen hervorragenden Start. Laut(r)er, spielbezogener Support der besten Güte. Da geht einem das Herz auf.

Doch die Mannschaft tut sich schwer. Der FCN spielt anfänglich besser, kauft unseren Jungs ein ums andere Mal den Schneid ab.
Sinnbild für diese Phasen: Pollersbeck und kurz darauf auch der sonst so sichere Ewerton verlieren auf dem gewässerten Rasen den Halt. Glücklicherweise weiß der Glubb dies nicht zu nutzen.

Dann eine Ecke für den FCK:
Ein „Hinnneinnnn, Hinnneinnnn, Hinnneinnnn, …“
Ein „Ooooooohhhhhhhhhhhhhhhh…“
Ein „Hey!“
Ein „JAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!“

Daniel Halfar, ausgerechnet Daniel Halfar verwandelt den Eckstoß direkt und erzielt somit sein erstes Tor in einer, auch für ihn persönlich, katastrophalen Saison.

Erleichterung pur, die der Stimmung nicht gut tut. Fortan fehlt der richtige Biss auf dem Rasen, wie auch auf den Rängen.

Pause. Die Halbzeitstände beachte ich nicht groß. Wir haben es selbst in der Hand.

In Durchgang zwei steigern Pollersbeck mit Flugeinlagen und Mwene in Robbenmanier ihren Marktwert. Sonst passiert nicht mehr viel.
Der FCK kontrolliert das Spiel und verwaltet die Führung halbwegs souverän.

Zum Ende hin feiern die Fans dann ihren FCK und sich selbst: „Eine Fangemeinde voller Leidenschaft – Eine Mannschaft ohne Charakter!“ wird in Form eines großen Banners erst der Kurve, dann den Spielern präsentiert. Fahnen legen sich als Sichtschutz auf die Ultras. Man ahnt, was kommt…
Der Schlusspfiff geht im Rauch und Feuer der unzähligen Bengalischen-Fackeln unter. Eine nett anzusehende Aktion, die allerdings drastische Folgen haben könnte, ja wohl haben wird. Die ganz große Eskalation bleibt allerdings aus.

Endergebnis: 1. Fußball-Club Kaiserslautern e.V. – 1. Fußball-Club Nürnberg, Verein für Leibesübungen e. V. 1:0 (1:0)

Der Betze bleibt unzerstörbar! Man zeigt sich nach diversen Unmutsbekundungen schnell wieder versöhnlich und spaßt mit Halfar Junior.

Randnotiz: Lediglich Abwehrchef Ewerton reist beim Schlusspfiff die Arme, wenn auch verhalten, hoch und freut sich sichtlich über den Klassenerhalt. (Vielen anderen Akteuren hätte man es auch kaum abgenommen.) Ist das die Reaktion eines Mannes, dem nichts am FCK liegt? Aus seinem Umfeld hört man, dass er und seine Familie sich sehr wohl in Lautern fühlen. Er scheint angekommen in Deutschland, nur kann man ihn beim FCK halten?
Ich bin gespannt, ob Stöver unmöglich scheinendes zu leisten imstande ist.

Bleibt abzuwarten, wie es weiter geht. Direkt nach dieser verkorksten Saison und dem zweitschlechtesten Abschneiden der Vereinsgeschichte positiv, gar euphorisch in die Zukunft zu schauen, fällt schwer. Trotzdem, man wird aus den Fehlern lernen (müssen), Konsequenzen ziehen, eine gesündere Truppe zusammenstellen und wieder angreifen.

Denn eins ist klar: Lautrer geben niemals auf – sie kämpfen!

El Presidente

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